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Sonntag, 5. September 2010
EIN WINK MEINES HERZENS
ImageSchon seit vielen Jahren trug mich der Gedanke, „Naturvölker“ und ihre Lebensweise kennen zu lernen. Menschen zu treffen, die ihr Leben LEBEN, jetzt, in diesem Augenblick. Spätestens bei meinem ersten Besuch in Senegal im Herbst 2005 verstärkte sich der Gedanke zu helfen. Besonders jenen Menschen zu helfen, die weit abseits der Gesellschaft stehen, täglich am Hungertuch nagen, sich kaum neue Kleidung und schon gar kein dauerhaftes Dach über dem Kopf leisten können. Und obwohl sie selbst nur wenig besitzen, sind sie unglaublich gastfreundlich und lebensfroh. Image„Gott hat es so gemacht“, hörte ich unzählige Male. Doch nicht nur die Worte faszinierten mich, sondern die tiefe Überzeugung die dahinter steht. Während einer Autofahrt im April 2007 kam – begleitet von Eros Ramazotti‘s Stimme und Musik – der Gedanke zum „Weg der Freundschaft“. An dieser Grundidee - „von Haus zu Haus, von Freund zu Freund, von weiß zu schwarz, von gesund zu krank, von Europa nach Afrika“ - hat sich bis heute nichts mehr verändert. Vieles kam jedoch dazu. Im Besonderen freut es mich, dass mein Freund Willi Triml sich die Zeit nimmt, um diesen psychisch und physisch anstrengenden Weg mit mir zu gehen. Es ist mir eine Ehre ihn an meiner Seite zu wissen.

FRIEDEN UND GLEICHHEIT

ImageWarum nehme ich eigentlich diese Strapazen und das Risiko auf mich? Nun, immer weniger Personen und Firmen haben immer mehr Geld, werden täglich reicher. Anderseits nähern sich immer mehr Menschen der Armutsgrenze oder haben diese bereits überschritten. „Warum soll ich helfen, wenn ich nicht mindestens das Zehnfache an (Werbe)Ausgaben dadurch wieder zurück bekomme“, hörte ich bei einem Sponsorgespräch. Jeder von Euch mag sich seine eigenen Gedanken über diese Art der „Hilfe“ machen. Eines vorweg: Es liegt mir fern, GEGEN ImageHabgier, Neid, Besitzgier, Lügen, Korruption, Konformität und ähnliche „nette“ Begleiterscheinungen unserer hyperzivilierten hochmodernen Zeit aufzubegehren. Vielmehr möchte ich jeden Schritt friedlich FÜR die viel zitierte „Gleichheit der Menschen“ gehen. Christen, Moslems, Buddhisten, Hinduisten, etc.,... Schwarz, Weiß, Rot, Gelb, etc., ... „yepp benna la“, lehrte man mich im Senegal in der Landessprache Wolof, „alles gleich, alles eins“. Es gibt nur einen „MENSCHEN“, zum Glück aber in milliardenfachen Facetten. Und eben diese geniale Individualität zeichnet unsere Spezies aus. Dazu bedarf es keiner besonderen Kleidung, keinem Wunschkennzeichen fürs neue Auto oder keinem Megawohnhaus. Die Einzigartigkeit wird jedem von uns in die Wiege gelegt. Man braucht lediglich den Mut, zu seinem Ich mit all seinen Farben zu stehen. Und man benötigt Akzeptanz, sein Vis-á-Vis mit all seinen „Fehlern“ anzuerkennen.

SCHENKEN STATT ANHÄUFEN

 

Unser „Weg der Freundschaft“ mag nur ein winziger Beitrag dazu sein. Aber schon die Musketiere wussten: „Alle für einen und einer für alle!“ Meine Freunde in Afrika erzählten mir: „Wenn jemand nichts zu Essen hat, bekommt er von anderen. Jeder hilft zumindest in seiner Nachbarschaft jedem. Falls jemand zufällig eine Arbeit ergattert und damit ein wenig Geld verdient, hilft er mit den Einnahmen der gesamten Familie – den Eltern, Geschwistern und vielleicht sogar Verwandten.“ Nun, aufgrund dieser Lebensweise wird womöglich niemand reich, zu Grunde geht trotz der Armut Imagejedoch auch niemand. Ein guter afrikanischer Freund erklärte mir: „Ihr Weißen legt all Euer Geld auf die Bank. Dort liegt es bis ihr sterbt. Zwar freut sich die Bank darüber. Wäre es aber nicht schöner und menschlicher, wenn ihr mit dem Geld zu Lebzeiten euren Kinder, Familien und Freunden helfen könntet?“ Nun, er bestärkte mich in meinen Gedanken: Wie kann ich in Ruhe an meinen „Reichtum“ basteln, das Geld auf der Bank anhäufen, wenn gleichzeitig meine Freunde nicht einmal wissen, ob sie heute noch ein Mittagessen kaufen können. Und eines wurde mir im Herbst Image2007, in diesen acht Wochen Senegalaufenthalt, klar: Etwas zu teilen, zu schenken, erfreut meine Seele ungleich mehr, als zu beobachten, wie mein Kontostand wächst. Dies sind nicht mehr aber auch nicht weniger als meine Gedanken, sind meine Beweggründe für eine etwas andere Aktion. Im Endeffekt bin ich „nur“ ein Mensch, der mit hoffentlich vielen anderen Menschen 7000 Kilometer zu Menschen geht. Ich freue mich auf jeden Schritt – und sei er noch so schmerzhaft – den Willi und ich im Namen der Gleichheit aller Individuen gehen dürfen.

Euer Xaver
 
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(c) all Fotos Franz Xaver Lahmer 2008